125 Jahre Nord-Ostsee-Kanal und seine Bedeutung für die Region

 

Eine Ausstellung, die eigentlich schon längst eröffnet sein sollte, aber die Corona-Pandemie hat alles in Schockstarre versetzt. Wir haben ein für uns aktuelles Thema dazu genommen. 

„Der Gieselaukanal“.

Die Aquarell-Bilder von Herrn Karl Heinz Brüggmann und die Fotos vieler Schiffe während der Kanalpassage von Christina Brüggmann.

 

125 Jahre lebt man jetzt mit dem Kanal. Eigentlich schon viel länger, wenn man die Planung und den Bau dazurechnet. Bereits 1865 erschien ein Buch „Der große Norddeutsche Kanal“ mit einer Linienführung, die durch den Hanerauer Gutsteich und das Tal der Hanerau führte. Der Verlauf wurde aber noch mehrfach geändert.

Es kamen Tausende Menschen aus ganz Europa in unsere Region, um den Kanal zu bauen.

Das damalige Bauerndorf Hademarschen nahm die Chance war. Es wurden viele Geschäfte gegründet. Hademarschen war der einzige Einkaufsort für diese Menschen. Die Unterbringungs-Baracken lagen in diesem Bereich fast alle auf der Südseite. Viele pompöse Häuser im Ort zeugen noch von dieser Entwicklung. Aus einem Dorf mit kleinen strohgedeckten Häusern wurde ganz schnell ein wohlhabendes Dorf mit vielen Geschäften und Handwerkern. Allein 39 Schuster sollen es gewesen sein. Auch Möbel aus der Zeit, die wir auch hier im Museum haben, zeigen es.

Nicht alle Landeigentümer waren bereit ihr Land zu verkaufen. Es half aber nichts; 4 % über Schätzpreis oder ein Enteignungsverfahren im Schnellgang war die Folge.

In nur acht Jahren wurde der Kanal mit allen Bauwerken im Rahmen des geplanten Finanzbudges fertiggestellt.

Eine nicht unerhebliche Zahl der dort Tätigen blieb und siedelte sich nach dem Kanalbau hier an.

Wir haben uns in unserer Ausstellung, mit einigen Ausnahmen, auf unsere Region beschränkt.

In Hanerau lebte zu der Zeit ein Fotograph, Gotthilf Constabel. Weltberühmt wurde er, weil er 1887 das Altersbild von Theodor Storm zu dessen 70. Geburtstag gemacht hat. Er hat nicht nur Porträtaufnahmen gemacht, sondern auch die Menschen, die Arbeit und die Technik am Kanalbau über Jahre fotografiert. Wir haben hier viele Originaldokumente.

Auch etwas, was nicht verwirklicht wurde, können wir zeigen, nämlich das Modell der Hochbrücke von Grünental, die dann aber nicht so gebaut wurde.

Die Fähren in Hohenhörn, Fischerhütte und Oldenbüttel sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region.

In Fischerhütte wurde die letzte Kettenfähre 1993 an Land gesetzt, zur Erbauung der Menschen wie es in einer Übergabeurkunde heißt.

Ich kann mich noch gut erinnern wieviel Mühe es war dem WSA-Neubauamt dieses Zugeständnis im Rahmen der Kanalverbreiterung abzuringen. Ein einmaliges Denkmal in der Welt.

Der Kanal war ja schnell zu klein und bereits 1907 bis 1913 wurde er erheblich erweitert. Für unseren Bereich änderte sich nicht viel. Die alten Seilzugfähren wurden durch Motorkettenfähren ersetzt. Diese Technik hielt bis in die 1980er Jahre.

Die nächste Erweiterung sollte 1939 starten, musste aber wegen des Kriegsbeginns aufgegeben werden. Ich kann mich noch gut erinnern – 1944 oder Anfang 1945 mussten die Bürger einen Schützengraben auf dem Kanaldeich buddeln und dort wurden alte Holzpflöcke mit roten Köpfen gefunden. Da haben sich die Alten darüber unterhalten, dass die von der Vermessung zur Kanalverbreiterung seien. Sie erzählten auch, dass an beiden Seiten des Kanals eine Autobahn geplant war. Ob das so war, kann ich nicht behaupten.

 

Vor über 80 Jahren hat man, auf Drängen der Stadt Rendsburg, den Gieselaukanal gebaut, um eine Verbindung zwischen Eider und Kanal herzustellen. Die 1893 in Rendsburg erbaute neue Schleuse in der Altstadt entsprach nicht mehr den verkehrlichen Anforderungen der Zeit.

Da hat sich bis heute nicht viel geändert. Nur in anderer Form. Heute sind es Tunnel, Fähren und Brücken

Um aber die Pegelstände von Eider und Kanal auszugleichen, baute man 1936, 20 Km südlich von Rendsburg, einen „Durchstich“. Dieses Objekt diente auch als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Erst später erhielt er den Namen

-Gieselaukanal-.

Er hatte nie die erhoffte wirtschaftliche Bedeutung und Frachtschiffe fahren schon lange nicht mehr durch die Schleuse.   

Der Gieselaukanal, der heute nur noch von Sportbooten und Fahrgastschiffen genutzt wird, steht derzeit zur Disposition, weil keiner die marode Schleusenanlage übernehmen und reparieren will. Wie so oft, vor lauter Sparen verpasst man den Anschluss. Dann hilft nur noch abreißen oder ein Neubau und die Kosten sind sehr hoch.  

Unsere vielgerühmte Grünenthaler alte Sichelbogen-Hochbrücke, die als einzige am Kanal für alle Verkehrsteilnehmer begeh- und befahrbar ist, also auch für Fußgänger und Radfahrer, musste 1988 einem Neubau weichen, im Volksmund auch die „Hühnerleiter“ genannt.

 

Zusätzlich haben wir in unserem Bereich noch die neue Autobahnbrücke der

A 23 in Bornholt/Hohenhörn.

 

Unsere Region, bezogen auf den alten Amtsbezirk Hanerau-Hademarschen, hat in Punkto Nord-Ostsee-Kanal sehr viel zu bieten.

Gäste und Einheimische wissen das sehr zu schätzen 

 

Wir zeigen einen kleinen Abriss über den Werdegang unseres Kanals, der seit der Eröffnung bis 1948 53 Jahre auch Kaiser-Wilhelm-Kanal hieß. Es war nicht immer ganz einfach aus der Fülle unseres Materials das Passende für die Ausstellung herauszufinden.

 

Für den Inhalt

Fritz Barnstedt